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Warum gegen Schule?
Schule als Institution macht krank und wird ihrem Bildungsanspruch nicht gerecht. Weil Lernen nicht per Knopfdruck in der Masse geschehen kann. Lernen geschieht von Innen nach Außen, nicht umgedreht. Genau das wird aber in den Schulen praktiziert und endet damit, dass wir zu Automaten erzogen werden, die wiedergeben, was sie auswendig gelernt haben.Man hört vielfach, dass Kinder Benotungen brauchen und wünschen, um sich einordnen zu können. Doch das stimmt nicht, würde man einem Kind richtig zuhören. Niemand wünscht sich eine Einordnung. Jeder von uns braucht das Sehen und Anerkennen seines Handelns. Was etwas völlig anderes ist. Bewertung und Einstufung sind nicht identisch mit Wahrnehmung und Anerkennen. Niemand möchte verglichen werden, sondern einfach nur hören, dass er seine Sache gut gemacht hat. Das besser sein wollen ist erst die Folge ständigen Vergleichens und ist kein natürliches Verhalten.
Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass Zensuren ein Gefälle und damit Neid und Hass hervorrufen, was einen freundschaftlichen Umgang miteinander unmöglich macht und Ichbezogenheit und Ellenbogenverhalten fördert? Zumal die meisten Zensuren subjektiv sind. Wie kann es möglich sein, Schüler, die innerhalb einer Klassenstufe ein Jahr Alters- und somit Entwicklungsunterschied aufweisen, physisch oder psychisch vergleichen zu wollen? Wie kann ein gemaltes Bild mit einem anderen verglichen werden? Ein gesungenes Lied? Ein Spiel im Sport? Wenn man den Nerv des Deutschlehrers beim Aufsatz trifft, wunderbar. Hat man einen anderen Sprachstil – keine gute Benotung.
Hier wird ein Bild vom Menschen erzeugt, dem wir entsprechen sollen. Sei, wie ich dich haben möchte. Schaffen wir das, werden wir mit einer Eins belohnt, entsprechen wir diesen Vorgaben nicht, werden wir mit einer 6 oder dazwischenliegenden Noten bestraft. Bestraft in dem Sinne, dass einem durch die Zensur das Gefühl gegeben wird, nicht gut genug gewesen zu sein. Paradoxerweise wird uns oft gesagt, dass wir eine schlechtere Zensur nicht so schwer nehmen sollen. Dabei wird völlig übersehen, dass es die Erwachsenen sind, die einem vermitteln, dass wir im späteren Leben scheitern werden, wenn wir keine guten Zensuren erreichen. Mit solch widersinnigen Botschaften leben zu müssen, verunsichert und führt zu Depressionen. Wenn es für Studienplätze Mindestdurchschnitte gibt, man in der Schule aber zu hören bekommt, man solle es nicht so verbissen sehen und gelassen angehen, wenn mal eine Note danebengeht, dann stellt sich die Frage, wer seine Gedankengänge zu überprüfen hat.
Wir werden durch Zensuren auf einen Durchschnitt reduziert, und müssen uns nicht wundern, wenn das Gewalt auslöst.
Es ist völlig unnatürlich, Menschen den ganzen Tag zum Stillsitzen zu zwingen. Die sogenannten Pausen helfen da gar nichts, denn es geht um den natürlichen Rhythmus, und der ist bei jedem anders. In der Mitte des Lebens wundern wir uns dann über allerlei Erkrankungen. Dass die Ursache in dem Zwang zu krank machendem Körperverhalten in der Schulzeit zu finden ist – wer will das wahrhaben?
Welchen positiven Sinn macht es, seine Gedanken auf ein bestimmtes Thema einzustellen, was nach 45 Minuten dann wieder abgebrochen wird? Umstellen, und wieder die Gedanken auf etwas anderes richten. 45 Minuten später das erneute Abbrechen. Dieses Verhalten ist völlig unnatürlich, erzeugt damit Abwehr, Lustlosigkeit und Desinteresse. Es geht gar nicht darum, ob etwas gelernt wird. Es geht nur um das Einhalten der Vorschriften. Jemand, der daran interessiert ist, dass sein Kind etwas lernt, kann es gar nicht in eine Schule geben. Wenn man sich mindestens sechsmal am Tag auf etwas anderes einstellen muss, wenn man nie den Gedanken zu Ende bringen kann, wenn man nicht in seinem Rhythmus und seiner Art die Dinge bewältigen, komplett durchdenken und tiefgründig einsteigen kann – was wird dabei rauskommen? Es wird alles angefangen, angerissen und nichts wirklich zu Ende gebracht. Es wird nicht wirklich verstanden oder in sich aufgenommen, dazu sind es zu viele Informationen in zu kurzer Zeit. Und alles oberflächlich Erfasste wird nach wenigen Tagen gelöscht, weil es unwichtig ist. Und was entwickelt sich daraus für eine Einstellung? Was wird uns vorgelebt? Dass das, was du tust, nicht wichtig ist. Sondern nur, wie schnell du etwas schaffst. Und dass du die Erwartungen anderer erfüllen musst, um in dieser Welt jemand zu sein. Quantität geht vor Qualität. Und wenn das ganze Leben später auf solch einer antrainierten Einstellung beruhen soll, was dann?
Wieso werden Handys in manchen Schulen eingezogen und tagelang nicht wieder herausgegeben? Warum diese Machtspiele, mit denen nur deutlich wird, dass es kein Miteinander, keinen Austausch gibt, sondern nur Anordnungen, die befolgt werden sollen. Für viele Kinder, die weiter entfernt wohnen, sind Handys notwendige Kommunikationsmittel, um für die Eltern erreichbar zu sein. Und wenn Handys interessanter erscheinen als der Unterricht – wieso sind es immer die Schüler, die nicht funktionieren? Kann es vielleicht sein, dass Schule völlig falsch läuft?
Welchen Wert hat solch eine Erziehung, solch ein Vorleben der Erwachsenen? Wenn man sich nicht mehr zu helfen weiß, wird Druck ausgeübt. Tests werden geschrieben, Handys eingezogen, nicht Geschafftes wird einfach als Hausaufgaben mitgegeben, Wissen wird mit Zeitbegrenzung abgefordert. Alle werden über einen Kamm geschert, in die gleichen Ansichten gedrängt. Mit dem Glauben, dass auf diese Weise „etwas aus einem wird“. Aber niemand wird das werden, was er in sich spürt sein zu sollen, wenn er von klein auf lernt, nur den Erwartungen anderer Menschen zu entsprechen.
Nach 10 Jahren können nur wenige wirklich richtig lesen und schreiben, von anderem Wissen ganz zu schweigen. Das Abfragen gerade erst bekommener Informationen in Arbeiten und das Wissen, das irgendwie hinbekommen zu müssen, verursacht inneren Druck und die Angst, es nicht zu schaffen. Zeigt das nicht deutlich, dass es gar nicht um die Schüler geht, sondern um das Einhalten von Vorschriften? Wenn man möchte, dass ein Mensch etwas versteht, nimmt man sich so viel Zeit, wie er braucht und zwingt ihn nicht in einen Zeitrahmen.
Warum werden viele Schüler unterschiedlichster Herkunft in eine Klasse gesteckt, ohne dass der Lehrer mit der daraus resultierenden Gruppendynamik umgehen kann? Kinder, die große Defizite aufweisen treffen auf andere, die eine behütete Kindheit hatten. Kaum ein Lehrer ist in der Lage, die innere Bedürftigkeit seiner Schüler zu verstehen, die dann auf die Ruhigen losgehen. Um ein wirkliches Gruppenklima entstehen zu lassen, müssten Lehrer erkennen, was auf psychischer Ebene passiert, wenn verschiedene Schüler aufeinandertreffen, um für alle einen gemeinsamen Nenner zu finden. Was angesichts von Benotungen wiederum nicht realisierbar ist.
Schule spricht davon, uns zu intelligenten Wesen heranbilden zu wollen. Dies ist eine Fähigkeit in unserem Inneren, jeder Situation mit der richtigen Handlung zu begegnen. Und das trägt jeder Mensch von Geburt an in sich, doch Schule schüttet dieses Wissen systematisch zu. Die Höhe eines Berges und die Länge eines Flusses behalten wir für einige Wochen, dann haben wir es vergessen, weil wir es nicht mehr brauchen. Aber niemand lehrt Freundschaft und Mitgefühl, ganz praktische Dinge, die man während der Schulzeit im Miteinander und im späteren Leben braucht. Wer lehrt uns, mit Ängsten umzugehen, was tun, wenn die Wut sich zeigt? Was mache ich mit meiner ganzen Gefühlswelt, mit dem, was mir jeden Tag praktisch begegnet? Dabei hilft mir keine Integralrechnung. Dazu braucht es Menschen, die einem all das vorleben. Nicht jemanden, der zum sinnlosen Auswendiglernen zwingt.
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